Wurde Deutschland nur durch einen glücklichen Zufall Fußballweltmeister?


Submitted by GHO Deutschland on Sun, 2014-08-10 16:27

Auf den ersten Blick kann sicherlich angenommen werden, dass ein wenig fußballerisches Talent und jede Menge Glück dazu geführt haben, dass die deutsche Herrenfußball-Nationalmannschaft 2014 Weltmeister geworden ist. Doch bei genauerer Betrachtung fallen einige Tatsachen auf, die zusammengenommen diesen Weltmeistertitel schon während des Tunierverlaufs sehr wahrscheinlich gemacht haben.

Zunächst ist natürlich die seit 10 Jahren verstärkte Jugendarbeit im Fußballbereich hervorzuheben. So kam es übrings auch zu den beiden EM-Titeln der deutschen U-19 Auswahl in den Jahren 2008 und ebenso 2014. Nach 1981 wurde dieses Jahr der dritte Sieg (bei sechs Finalteilnahmen) für eine DFB-Auswahl in dieser Altersklasse erspielt. Die Frauenfußball-Nationalmannschaft konnte ebenso sehr oft in den letzten Jahren mit ihrer Spielweise überzeugen.

So wie es bei der Frauenmannschaft schon länger Tradition ist Wert auf Fairplay zu legen, so hat es den Männern diesmal auch mit zum Titel mitverholfen: Nur vier gelbe Verwarnungen im gesamten WM-Turnier und keine rote Karte verzeichnete die DFB-Elf. Somit waren die Weltmeister die fairste Mannschaft des Turniers in Brasilien. Diese Fairness spiegelt sich auch automatisch innerhalb der Mannschaft durch Kooperation und Vertrauen untereinander wieder, bestätigt die Verhaltensökonomin Marie Möller vom Institut der deutschen Wirtschaft1. Eine hohe Zufriedenheit, ein positives Umfeld und insgesamt individuell glücksförderliche Gestaltungen wie bspw. durch die optimalen Bedingungen in der Hotel- und Resortanlage Campo Bahia (dem deutschen Lager während der WM) waren also wichtige Faktoren zum Titelgewinn.

Natürlich muss auch der Sieges- und Einsatzwillen vorhanden sein. Schon der Philosoph Hegel wusste, dass es zum Erreichen des hohen Glückes einer Mischung von äußeren Umständen und der inneren Empfindungen und Willen gleichzeitig bedarf. Das hat die deutsche Nationalmannschaft 2014 ebenso eindrucksvoll bewiesen, allen voran Bastian Schweinsteiger, der allein im Finalspiel über die 120 Minuten 15,3 Kilometern lief, mehr als alle anderen Spieler des Finales. Dabei konnte er 20 von 29 Zweikämpfen gewinnen und durch seinen Einsatzwillen fast jeden Pass genau zum Mitspieler platzieren. Kaum ein Ball ging verloren. Insgesamt wurde er sechsmal gefoult, und erlitt in der Verlängerung sogar eine blutende Wunde im Gesicht. Trotzdem war sein Verlangen und sein Wille unerschütterlich, was letztlich mit zum Sieg verholfen hat.

Der Titelgewinn war also letztlich ein Zusammenspiel aus sehr gut gemachten Vorleistungen und Vorbereitungen über die Jahre hinweg, Fairplay, einem guten Mannschaftsgefüge, zufriedenheitsförderlichen Umständen fürs Zustandekommen eines harmonisierenden Teams und entspannter Einzelpersonen, und dem individuellen Einsatzwillen. Statistisch gesehen konnte der Fußball-Weltmeistertitel demnach also bereits vorausgeahnt werden und hing nur sehr gering vom Zufallsglück ab. Wobei natürlich ein Quäntchen Glück wohl noch niemandem geschadet hat.

  • 1. http://www.iwkoeln.de/de/presse/gastbeitraege/beitrag/marie-moeller-in-…]. Erst dadurch können Teams gut harmonieren.

    Mehrere Studien aus England konnten bestätigen, dass die persönliche Zufriedenheit am Arbeitsplatz (bzw. hier dem Fußballplatz) überdies nicht nur von einem harmonischen Team, freundlichen Kollegen und einer angenehmen Arbeitsatmosphäre positiv beeinflusst wird. Weitere Faktoren sind zudem: sinnvolle/sinnstiftende Arbeitsinhalte, verschiedenartige Arbeitsaufgaben, Anerkennung und eine angemessene Bezahlung bspw. (vgl. Berry, 2011, S. 139)Berry, Anthony (2011): Instititions, organizations and wellbeing. S. 134 – 147. In: Atherton, John / Graham, Elaine / Steedman, Ian (Hrsg.) (2011): The Practices of Happiness: Political economy, religion and wellbeing. London / u.a.: Routledge Verlag.