Alt und glücklich - und was das Rezept dafür ist

Es gibt in Deutschland und Europa immer mehr Alte. Angesichts des internationalen Tags der älteren Generation (engl. International Day of Older Persons), der wie immer am 1.Oktober des Jahres stattfand, eine Möglichkeit zu reflektieren, wie hohes Alter und Glück zusammenhängen.

Der nun zum 25sten Mal gefeierte Tag steht dieses Jahr unter dem Motto der nachhaltigen Einbindung der Älteren in die städtischen Gesellschaftsstrukturen. Doch nicht nur unter Gesichtspunkten der Pflegeeinrichtungen, des Nahverkehrs und der Erwerbsmöglichkeiten für Personen ab 60 Jahren sind Zukunftsplanungen zu treffen. Vor allem deren Eingebundenheit in die sozialgesellschaftlichen Abläufe ist notwendig. Dafür muss wissenschaftlich eruiert werden, ob ältere Menschen sich in ihrem psychischen und physischen Wohlbefinden und ihren Glücksvorstellungen von jüngeren unterscheiden oder nicht.

Ältere Menschen weisen - vermutlich auf Grund ihrer längeren Lebenserfahrung und der damit zusammenhängenden Bewältigung von einigen schwierigen Situationen - oft geringe psychische Krankheitsraten auf. Allerdings konnte in Befragungen keine höhere Lebenszufriedenheit festgestellt werden1. Einige Krisen haben die Menschen dann bereits hinter sich, sie sind sozusagen resilienter, aber deshalb nicht unbedingt zufriedener. Der Zugewinn an Lebenserfahrung kann zudem auch an anderer Stelle hilfreich sein: Die Selbstregulierungsfähigkeit der eigenen Emotionswelt nimmt im Erwachsenenalter stetig zu und das bis ins hohe Alter hinein. Das sorgt für mehr Ausgeglichenheit und Reduktion von als negativ empfundenen Verhaltensweisen. So konnte gezeigt werden, dass die Anzahl an Verärgerungen im Alltag bei älteren Menschen rückläufig ist bzw. geringer ausfällt, als bei jüngeren Personen2, ebenso die Anzahl an Stimmungsschwankungen3.

Der Altersforscher Robert J. Havighurst erklärte bereits in den 1960er Jahren erfolgreiches Altern mit der Kompetenz seine Emotionen zu steuern und seinen Körper funktionstüchtig zu halten. Neben der Emotionssteuerung kommen nun auch weitere Forschungen zutage, die zeigen, dass Lebenszufriedenheit im höheren Alter oft stark mit der eigenen Gesundheit verbunden scheint. Umso weniger negative gesundheitliche Beeinträchtigungen wahrgenommen wurden, desto höher viel die Lebenszufriedenheit aus4. Dies gilt zwar auch bei jüngeren Leuten, dort werden allerdings Gesundheitsprobleme weniger schwerwiegend aufs persönliche Glück genommen, denn es gibt ja noch so viele andere Glücksquellen, die Ableckung verschaffen können. Bei sehr alten Personen ab 80 Jahren zeigen sich in mehreren Untersuchungen der Berliner Altersstudie (BASE) häufig stark abfallende Wohlbefindenswerte, vorrangig ausgelöst durch gesundheitliche Einschränkungen und soziale Isolation teilweise.

Je nachdem wie gut sich die Menschen jeweils an ihre individuelle Situation anzupassen vermögen, gilt als ein wichtiger Einflussfaktor auf die Ergebnisse bei den Befragungen. Dabei senken ältere Menschen oft ihre Erwartungen und legen mehr Wert auf Ziele, die mit positiven Erfahrungen verbunden werden. Sie haben zumeist gelernt sich von den als negativ empfundenen Erfahrungen stärker abzugrenzen. Allerdings spielen soziokulturelle Codes und kulturell-bedingte Einstellungen dabei eine Rolle, sodass diese Forschungsergebnisse nicht auf alle Kulturkreise gleichermaßen angewendet werden können. Studien an amerikanischen Bevölkerungsgruppen und japanischen Untersuchungspersonen haben Unterschiede hinsichtlich der individuellen Interpretation von scheinbar negativen Situationen ergeben. Es sind also noch einige weitere Forschungen von Nöten, um diese Zusammenhänge besser verständlich zu machen5.

Ebenso sind die genauen Einflüsse des Lebensalters auf das Wohlbefinden noch nicht ganz geklärt: Es wird eine U-Form vermutet, d.h. das zwischen Mitte zwanzig und Mitte vierzig häufig das subjektive Wohlbefinden absinkt, um dann wieder im Bevölkerungsdurchschnitt anzusteigen (mehr dazu auf unserer Seite http://www.globalhappiness.com/de/glueck-und-gluecksforschung/wie-koenne...).Allerdings gibt es vermehrt Zweifel an dieser sehr einfachen Darstellung. In einer Studie an der amerikanischen Bevölkerung aus dem Jahr 2008 stellte sich heraus, dass über mehrere Jahre hinweg (im Durchschnitt hier neun Jahre) bei ca. der Hälfte der befragten Personen (verschiedener Altersklassen) stärkere Schwankungen der Lebenszufriedenheit feststellbar waren. Also bei jungen und alten Personen kann es über die Jahre hinweg sowohl zu Zufriedenheitsverbesserungen, als auch zu -verschlechterungen kommen6. So kann final festgehalten werden, dass manche Aspekte des körperlichen und seelischen Wohlbefindens sich im hohen Alter oft im Vergleich zu jüngeren Personen unterscheiden, andere Punkte wiederum doch sehr ähnlich bzw. kaum unterschiedlich zu sein scheinen. Definitiv braucht es noch mehr Forschung, um in Zukunft auch der wachsenden Zahl an älteren Menschen glücksförderliche Perspektiven ermöglichen zu können.

  • 1. Westerhof, Gerben J. / Keyes, Corey L. M. (2010): Mental Illness and Mental Health: The Two Continua Model Across the Lifespan. S. 110-119. In: Journal of Adult Development, 2010, 17.
  • 2. Kunzmann, Ute / Kappes, Cathleen / Wrosch, Carsten (2014): Emotional aging: a discrete emotions perspective. S. 1-5. In: Frontiers in Psychology. Vol. 5, Article 380.
  • 3. Pinquart, Martin (2001): Age differences in perceived psoitive affect, negative affect, and affect balance in middle and old age. S. 375–405. In: Journal of Happiness Studies: 2:2001.
  • 4. Alex J. Bishop, Peter Martin, G. Kevin Randall, Maurice MacDonald, Leonard Poon (2012): Exploring Life Satisfaction in Exceptional Old Age: The Mediating Role of Positive and Negative Affect. Clinical Gerontologist: The Journal of Aging and Mental Health, Vol 35(2), Mar, 2012. pp. 105-125.
  • 5. Grossmann, Igor / Kan, Chiemi / Karasawa, Mayumi / Kitayama, Shinobu (2014): A Cultural Perspective on Emotional Experiences Across the Life Span. S. 679-692. In: Emotion, 2014, Vol. 14, No. 4.
  • 6. Lachman, Margie E. / Röcke, Christina (2008): Perceived Trajectories of Life Satisfaction Across Past, Present, and Future: Profiles and Correlates of Subjective Change in Young, Middle-Aged, and Older Adults. S. 833–847. In: Psychological Aging, 2008, 23(4).