Die Verleihung des Deutschen Schulpreises - Ein Kommentar

Wieder einmal werden deutsche Schulen ausgezeichnet, doch bei genauer Betrachtung könnten die Preisträger des Schulpreises viel innovativer sein. Am heutigen 10.Juni wird der Deutsche Schulpreis 2015 verliehen. Die Auszeichnung der Robert Bosch Stiftung, des Magazins Stern, der ARD und der Heidehof Stiftung wird von der Bundeskanzlerin persönlich überreicht. Angela Merkel sagt über den Deutschen Schulpreis: "Er prämiert Schulen, deren Unterrichtskonzepte besonders innovativ und exzellent sind."

Das was also schon längst Realität sein sollte in einer Wissensgesellschaft wie Deutschland wird als Sonderfall prämiert. So belegt die Gesamtschule Barmen in Wuppertal den ersten Platz. Hier stehen ein gutes Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern im Vordergrund, ebenso wie Möglichkeiten der Schüler bei Prozessen der Schulgestaltung mit zu entscheiden. Die Schüler werden lediglich mittels verstärkter Lehrerpräsenz und Handyverboten im Unterricht an ihre Leistungsgrenzen gebracht und persönlich gefördert. Wirkliche Innovationen werden blamablerweise außen vorgelassen.

Beispielsweise wurde das schon im Jahr 2007 entwickelte Konzept "Schulfach Glück" bisher noch nicht flächendeckend eingeführt oder auch nur vom Rat des Deutschen Schulpreises ausgezeichnet. Der damalige und nun ehemalige Oberstudiendirektor Ernst Fritz-Schubert erschuf ein Konzept für die Sekundarstufen, um den Schülern praktische Lebenskenntnisse mit auf den Weg zu geben. Neben Resilienz wird das körperliche Wohlbefinden, als auch Selbstkontrolle und Stressbewältigung im Alltag erklärt und eingeübt. In den Folgejahren ist dieses Konzept auch von mehreren Wissenschaftlern analysiert und als glücksförderlich für die Schüler beschrieben worden.

Mittlerweile gibt es sogar auch ein solches Konzept für Grundschulen. Dabei werden ebenso verschiedene Kompetenzen zur persönlichen Entwicklung der Schüler gefördert. Denn im Lebensalltag benötigt es später mehr als nur mathematische oder Sprachkenntnisse, ein gelingendes Leben braucht auch menschliche Selbstreflektion und Selbstsicherheit. Dieses innere Wachstum kann allerdings nur aus Erfahrungen und Auseinandersetzungen mit dem Selbst und der Umwelt langfristig geschehen. Diese Art von Innovation mit dem Schulfach Glück geht über die bisher prämierten Ansätze des Handyverbots und der intensiveren Lehrerbetreuung natürlich noch hinaus. Deshalb findet hier wirkliche Innovation statt, die auch in Zukunft mit Auszeichnungen gewürdigt werden sollte.

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Martin Kreienkamp