Internationale Unterschiede

Die Unterschiede im Glücksempfinden sind auf internationaler Ebene riesig, und sogar auf regionaler Ebene vorhanden. Sowohl die Lebenszufriedenheit, als auch die Werte bzgl. des eigenen Wohlbefindens sind in Skandinavien, der Schweiz, Irland und Österreich weltweit am Stärksten ausgeprägt. Erst dahinter befinden sich im internationalen Ranking die Länder Westeuropas, Nord- und einige in Südamerika. Am Schlechtesten in der Studie schneiden Russland, einige Staaten Osteuropas und viele afrikanische Länder ab. Durchschnittliche Bewertungen erhielten viele Länder Südeuropas und Asiens.

Manche Gründe für diese Bewertungen konnten erforscht werden. So spielen die Währungsabwertungen der 1990er Jahre bspw. in Russland eine große Rolle, denn erst danach sind die Zufriedenheitswerte generell im Durchschnitt stark abgesunken. Länder mit einem hohen Wohlstandsniveau, sozialen Sicherungssystemen und einer geringen Arbeitslosigkeit in Verbindung mit vielen direktdemokratischen Elementen in der Landesverfassung erzielen zumeist die höchsten Wohlbefindens- und Zufriedenheitswerte1 2 3. Nichtsdestotrotz bedarf es weiterer Forschungen und vertiefender Erkenntnisse, um alle Ursachen und Einflussfaktoren ausmachen zu können.

Somit sind pauschale Prozentuierungen der Einflussfaktoren auf die individuelle Lebensqualität global nicht festlegbar. Ein entscheidenes Argument sind die unterschiedlichen Lebensbedingungen und Lebensstile, zudem lassen die verschieden verteilten Ressourcen (materiell und immateriell) eine teils nur unterschiedliche Gesamtlebenszufriedenheit im Vergleich mit anderen zu4. Es kann also festgehalten werden, dass es grundsätzliche Einflussquellen gibt, die alle Menschen ähnlich stark tangieren (z.B. Persönlichkeitseigenschaften, soziale Beziehungen, etc.), und darüber hinaus aber auch viele Aspekte des Lebens, die individuell eine wichtige oder eine weniger wichtige Rolle im Leben eines Einzelnen spielen. So können für einen Menschen, für den Sicherheit sehr wichtig ist, die Qualität der Gesellschaft, das Familienleben, die Gesundheit, der Beruf, etc. entscheidend sein, während für Menschen, die risikofreudig und abenteuerlustig sind andere Kategorien – bspw. Freizeit und Work-Life-Balance, berauschende Zustände mit Sex, Liebe, Drogen, Sport, etc. deutlich mehr zur subjektiv-empfundenen Lebensqualität beitragen als die erstgenannten Aspekte.
Zudem existieren auch linguistisch-kulturelle Probleme bei der Vergleichbarkeit der Ergebnisse auf kultur- und länderübergreifender Ebene: So schreibt Braun5 über die kulturelle Eigenheit der Amerikaner, dass es förmlich verboten zu seien scheint ein Pessimist zu sein und, dass das Leben in den USA immer als ein Leben mit neuen Chancen und Möglichkeiten gesehen wird, unabhängig von der eigenen sozialen Statussituation. Somit müssen weltweite Vergleichsstudien mit Vorsicht genossen werden.

  • 1. Stevenson B, Wolfers J. Economic Growth and Happiness: Reassessing the Easterlin Paradox. Brookings Papers on Economic Activity. 2008;:1–102.
  • 2. Tov W, Diener E. Culture and subjective well-being. Handbook of cultural psychology. 2007;:691–713.
  • 3. Diener E, Helliwell JF, Kahneman D. International Differences in Well-Being. Oxford University Press US; 2010.
  • 4. Spellerberg, Annette (1996): Soziale Differenzierung durch Lebensstile: Eine empirische Untersuchung zur Lebensqualität in West- und Ostdeutschland. Berlin: Ed Sigma Verlag.
  • 5. Braun, Hans (2002): Empirische Glücksforschung: Ein schwieriges Unterfangen. S. 43 – 58. In: Bellebaum, Alfred (Hrsg.) (2002): Glücksforschung: Eine Bestandsaufnahme. Konstanz: UVK Verlag.