Wie wirken die Vorsätze und Ziele fürs neue Jahr am besten?


Submitted by GHO Deutschland on Mi, 12/31/2014 - 13:17

Alle Jahre wieder passiert es: Menschen fassen ein paar gute Vorsätze oder auch Ziele fürs neue Jahr. Es werden sich positive Veränderungen gewünscht, die zumeist mit dem eigenen Verhalten zusammenhängen. Diese Hoffnungen und Versprechen weisen allerdings oft einen absoluten Charakter auf, d.h. es wird von „ab jetzt mache ich täglich dies und das“ oder von „nie wieder werde ich soundso“ gesprochen. Diese guten Vorsätze bzw. Wünsche der Verhaltens- oder Wahrnehmungsänderung sind oft radikal und erzeugen einen Zwang, der dem inneren Schweinehund zuwiderläuft. Die Folge: Ausreden wie "Ich habe keine Zeit" oder "Ich bin zu müde". Da wird das Abo für die Zeitung oder die Mitgliedschaft im Fitnessstudio oft zur Qual oder Geldverschwendung, wenn die Leistungen nicht genutzt werden. Mehr noch: Es stellt sich die Wahrnehmung des eigenen Versagens ein. Das führt wiederum zu noch mehr Demotivation und Unlust.

Wie also lässt sich eine Veränderung herbeiführen, die auch langfristig funktioniert? Zunächst sollte sich kein Mensch den Stress machen und unbedingt nun zum neuen Jahr alles anders machen wollen. Es können genauso gut zum 1. Februar bspw. neue Ziele und Vorhaben ins Auge gefasst werden. Diese sollten gut geplant und in den Alltag integrierbar sein. Am besten setzt man sich feste Routinen (zu bestimmten Tagen und Uhrzeiten). Man kann sich auch mit anderen verabreden, denn in einer Gruppe fällt es manchen Menschen leichter, bspw. Sport zu treiben. Zudem sollte man sich gewahr werden, dass Veränderungen Zeit brauchen, niemand ist über Nacht ein Spitzenathlet geworden oder zum Meditationsmeister mutiert. Lieber erst mal in kleinen Schritten und Teilzielen anfangen und sich dann steigern. Zudem hilft auch hier der Austausch mit anderen, um zu sehen, was gut funktioniert und welche Hindernisse auftauchen können auf dem Weg der Veränderung. Die eigenen Vorsätze sollten positiv formuliert und aufgeschrieben werden, dann verinnerlichen sie sich besser und die Chance der Umsetzung ist höher. Zudem kann es hilfreich sein, sich jeden Morgen diese Sätze noch mal anzuschauen und kurz zu lesen, als Erinnerungsstütze sozusagen. Dabei kann man sich fragen, warum man etwas machen will. Das „Warum“ bei der Veränderung zeigt die eigenen Absichten auf und fördert die Motivation. So ist der Sinn hinter den neuen Handlungen erkennbar und eventuelle Selbstblockaden lösen sich auf!

Der bekannte Psychiater Viktor E. Frankl – berühmt für seinen psychoanalytischen Ansatz der Logotherapie – untersuchte die Sinnsuche von Individuen. Dabei kam heraus, dass Menschen, die einen Sinn hinter den Herausforderungen des Lebens sehen, oft länger leben und mehr aus ihrem Leben machen können. Andere, die sich von den sogenannten Problemen erdrückt fühlen, kamen in ihrer Entwicklung kaum voran. Sich zusammennehmen und einen Sinn im Lösen von Lebensaufgaben erkennen fördert auch die individuellen Glücksempfindungen. Persönliche (Lebens-)Ziele geben dem Leben einen Sinn bzw. einen erstrebenswerten Inhalt und machen es erst möglich Lebenswege zu planen und sein Leben zu organisieren. Unsere Hoffnungen, Wünsche und Gedanken richten sich nach den Zielen aus und schaffen so einen Sinn. So wurde in zahlreichen empirischen Studien nachgewiesen (vgl. u.a. Veenhoven, 1984, S. 312)1, dass Menschen mit festen Zielsetzungen im Leben erfolgreicher wurden und auch glücklicher, da die Anstrengungen des Lebens im Kontext ihrer Zielpläne und Zukunftsvorstellungen einen Sinn ergeben haben. Dies funktioniert am Besten, wenn die Ziele, Erwartungen und Wünsche mit den Charaktereigenschaften, moralischen Ansichten bzw. Idealen und Handlungsmaximen des ausführenden Individuums voll übereinstimmen: Würde bspw. eine Ökoaktivistin und Umweltförderin von ihren Eltern eine millionenschwere Industrieanlage erben, würde das nicht gerade glücks- sondern eher konfliktfördernd wirken. Dies wird auch von Glücksforschern wie Robert Emmons bestätigt2.

In diesem Sinne wünscht Ihnen das Team der Global Happiness Organization Deutschland einen guten Start ins neue Jahr und natürlich auch die gelungene Umsetzung Ihrer Wünsche, Ziele und Vorsätze.

  • 1. Veenhoven, Ruut (1984): Conditions of Happiness. Dordrecht: D. Reidel Publishing Company.
  • 2. Emmons (2003, S. 122): „Happiness and life satisfaction, two spheres of subjective experience of concern to psychologists articulating a vision of the good life, are influenced in deep ways by the goals that people are committed to“. Aus: Emmons, Robert A. (2003): Personal Goals, Life Meaning, and Virtue: Wellsprings of a Psoitive Life. S. 105 –128. In: Haidt, Jonathan / Keyes, Corey L.M. (Hrsg.) (2003): Flourishing: positive psychology and the life well-lived. Washington DC: American Psychology Association.