Wie kann man an Weihnachten nachhaltig sein und das Glück fördern?


Soumis par GHO Deutschland le sam 06/12/2014 - 00:34

Generell sind Konzepte und Überlegungen vom Glück und der Lebensqualität der Menschen stark gegenwartsgebunden, sowohl im Lebensalltag, als auch auf politischer Ebene. Nur wenn explizit Nachhaltigkeitsaspekte zur Sprache kommen, finden langfristige Zustände ebenfalls Berücksichtigung. Die Lebensqualität zukünftiger Generationen sollte multidimensional (mindestens auf sozialer, umwelttechnischer, produktionsartiger und wissensbasierter Weise) mitbedacht werden, denn dann kann auch von nachhaltigem Glück gesprochen werden.

Auf der Makroebene der nationalen oder internationalen Politik spielen diese langfristigen Faktoren momentan jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Vermutlich da oft auf Seiten von Politikern und Wirtschaftslenkern gedacht wird das Zugeständnisse gemacht werden müssen. Möglicherweise werden Nachhaltigkeitsfaktoren auch nicht beachtet, da die Folgen nicht absehbar sind oder auch weil die nächsten Wahlen nicht erst in mehreren Dekaden stattfinden, sondern oft in kurzen Abständen. Es gibt nur wenige Ausnahmen wie Bhutan oder Thailand, die ihre Gesetzestexte und -Vorlagen auf Nachhaltigkeitsaspekte prüfen. Auch die in den Jahren 2008-2009 tagende Stiglitz-Sen-Fitoussi Kommission in Frankreich hat vorgeschlagen Nachhaltigkeit, d.h. Generationengerechtigkeit beim Ressourcenverbrauch und die ökologische Folgenabschätzung für die Umwelt, stärker zu berücksichtigen, viel hat sich seitdem allerdings nicht getan. In Deutschland gibt es vom Statistischen BundesamtStatistisches Bundesamt: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Indikatoren/Nachhaltigkeitsindi…] Texte und Tabellen zur Nachhaltigkeitsmessung in Deutschland, jedoch sind die Erkenntnisse nur rudimentär bei politischen Akteuren bekannt, die sich zumeist mehr auf die Wirtschaftsfaktoren konzentrieren.

So bleiben Entscheidungen über nachhaltigen Konsum von Ressourcen, einer durchdachten Produktionsweise von Gütern und Dienstleistungsangeboten und der langfristigen Erhaltung bzw. Integrität von natürlichen Umwelträumen und biologischer Diversität letztlich am Verbraucher und Herrn und Frau Mustermann hängen. Da Forschungsinstitutionen und Vereine wie bspw. der Club of Rome oder die Vereinten Nationen immer wieder Reports über Energienutzungsfolgen, Technologiefolgenabschätzungen und dergleichen veröffentlichen, bekommen zunehmend mehr Verbraucher durch die Berichte mit, wie es um unseren Planeten bestellt ist. Zum Glück haben die Verbraucher durch den Druck der Masse die Möglichkeit Einfluss auf die Nachhaltigkeit unserer Lebensweise zu nehmen. Im Folgenden werden mehrere Bereiche vorgestellt, in denen jeder einzelne – besonders jetzt an Weihnachten – nachhaltig handeln kann und somit nicht nur sein eigenes, sondern auch das Glück zukünftiger Generationen fördert:

Möglichkeit 1 - Aus alt mach neu:
In sogenannten Repair Cafes können alte Lieblingssachen wieder repariert werden, ganz egal ob elektronische Geräte oder Fahrräder. Bei den Treffen reparieren handwerklich begabte Menschen ihren Nachbarn oder einfach Menschen mit defekten Geräten kostenlos die alten oder teils sogar fast neuen und schon nicht mehr funktionierenden Dinge und Maschinen. Nachdem das erste deutsche Repair Cafe in Köln vor einigen Jahren aufgemacht hat gibt es nun deutschlandweit viele weitere, in manchen Städten wie Köln oder München mittlerweile sogar vier Cafes gleichzeitig. Weitere sind hier zu finden: http://repaircafe.org/de/deutschland/
Ein Artikel von Spiegel Online dazu findet sich hier: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/in-repair-cafes-werden-defekt…
Eine weitere Möglichkeit, falls die Geräte nicht mehr zu retten sind, wäre bspw. die Maschinen als „Defekt – Für Bastler“ im Internet anzubieten. Es gibt immer wieder Tüftler, Sammler oder Bastler, die die alten Geräte nutzen können. Für die Entsorgung alter Mobiltelefone gibt es mehrere Initiativen u.a. können die alten, nicht mehr genutzten oder defekten Handys bei Telekom Shops zugunsten von Hilfsprojekten entsorgt werden. Damit werden nicht nur Spenden für diese Projekte zusammengetragen, sondern auch dafür gesorgt, dass das giftige und nur selten vorkommene Coltan, was sich in allen Handys befindet, wiederverwendet werden kann. Manche der Hersteller beziehen Coltan nämlich aus Krisenregionen wie der Demokratischen Republik Kongo, wo ein erbitterter Krieg u.a. um die Abbauminen geführt wird und wo Kinder unter erbärmlichen Bedingungen darin schuften müssen.

Neben Elektroartikeln funktioniert das Motto ‚Aus alt mach neu’ genauso für Kleidung. In Stoffläden oder Bastelshops finden sich Utensilien, um aus älteren Kleidungsstücken wieder neue, anders aussehende Unikate zu kreieren (mit der Hilfe von weiteren Stofffetzen, Zusatzknöpfen, Extra-Reissverschlüssen, etc.). Außerdem existieren in manchen Städten Boutiquen- oder Designertreffen, wo man alte Kleidung mitbringen kann, die dann für eine kleine Unkostenpauschale mit anderen Knöpfen, einem neuen Motiv mittels Siebdruck etc. umdesignt wird.

Möglichkeit 2 - Hochwertige, gebrauchte Artikel kaufen:
Es gibt mittlerweile viele Wege, um nicht bei großen Ketten wie H&M oder Primark seine Kleidung zu erwerben, vor allen Dingen, da diese sogenannten Marken immer wieder dadurch auffallen, dass sie Kinderarbeiter in asiatischen Ländern beschäftigen oder bei Zulieferunternehmen fehlende Mindeststandards billigend in Kauf nehmen. Um diesen modernen Sklavenhandel nicht weiter zu unterstützen bieten sich mehrere Alternativmöglichkeiten an: Gebrauchte, aber trotzdem hochwertige Artikel lassen sich teilweise bei Second Hand Läden ergattern. Dort kann man ebenso seine eigene, nicht mehr genutzte Kleidung für einen guten Zweck abgeben. So unterstützt Humana bspw. Dorfgemeinschaften in mehreren afrikanischen Ländern aus den erzielten Verkaufserlösen.
Neben Kleidung kann man viele hochwertige, gebrauchte Artikel auch auf Wohnungsauflösungen finden, in Anzeigen oder bspw. in den Ebay Kleinanzeigen, sodass in regionaler Nähe vielleicht zum Schnäppchenpreis genau die Artikel zu finden sind, die man gesucht hat.

Möglichkeit 3 - Artikel tauschen oder für umsonst:
Nicht nur für Weihnachten, sondern im Prinzip ganzjährig lassen sich auch die folgenden Tipps nutzen. Bei Tauschbörsen und Tauschringen lassen sich sowohl offline als auch online zumeist regional diverse Artikel tauschen oder zu kleinen Preisen kaufen. So finden sich bei größeren Tauschbörsen im Internet bspw. verschiedenste Artikel von DVDs über Laptops, Rucksäcke, Bücher, Musik, Autozubehör, und vieles weitere mehr. Daneben gibt es auch regionale Tauschbörsen, die spezialisiert sind auf Dienstleistungen (z.B. Massage als Dankeschön für handwerkliche Tätigkeiten) oder auf Möbel (tausche Tisch gegen Sessel). Daneben setzt die Bewegung "Free Your Stuff" (zu finden auf facebook unter https://www.facebook.com/FreeYourStuff/timeline?ref=page_internal) auf Nächstenliebe und das Verschenken von Dingen, die man persönlich nicht mehr benötigt. In mehreren deutschen Städten haben die jeweiligen Mitgliedsgruppen mittlerweile viele tausend Anhänger. Anderen Menschen wird damit eine Freude bereitet, sie brauchen nicht lange zu suchen und bekommen etwas umsonst: Das bedeutet null Einkaufsstress bei gleichzeitig geringerem Ressourcenverbrauch und Müllaufkommen, also eine Win-win Situation.
Umsonst gibt es auch Nahrung: Damit ist nicht das halblegale Dumpstern (auch als Containern bezeichnet) gemeint, wo Menschen biologische Reste und aussortiertes Essen von Supermärkten und Restaurants einfach aus deren Abfallcontainern und Mülleimern mitnehmen. Es gibt eine total legale und gewollte Variante dessen, die sich Foodsharing und Lebensmittelretten nennt (Links zu den jeweiligen Gruppen finden sich hier: Lebensmittelretten: http://www.lebensmittelretten.de/ und Foodsharing: http://foodsharing.de/). Dabei holen Freiwillige in Absprache mit dem Supermarkt, Restaurant, der Bäckerei, größeren Firmen oder Feinkostläden Lebensmittelüberschüsse, Lebensmittel mit Druckstellen, oder Artikel mit gerade auslaufendem Mindesthaltbarkeitsdatum ab. Diese werden dann in der Community geteilt, d.h. jedes Mitglied kann sich Teile davon abholen und für den privaten Konsum kostenfrei nutzen. Damit wird ein Zeichen gegen unsere Lebensmittelverschwendung gesetzt.
Eine aktuelle Studie des Bundesernährungsministeriums und der Universität Stuttgart legt nahe, dass in Deutschland jährlich circa 11 Millionen Tonnen Lebensmittel einfach weggeschmissen werdenBundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz / Universität Stuttgart (2012): Ermittlung der weggeworfenen Lebensmittelmengen und Vorschläge zur Verminderung der Wegwerfrate bei Lebensmitteln in Deutschland: http://www.bmel.de/DE/Ernaehrung/UmgangLebensmittel/ZuGutFuerDieTonne/_…]. Viele davon leider zu Unrecht, da sie noch genießbar gewesen wären.

Möglichkeit 4 – Nachhaltig und neu:
Zudem gibt es allein in Köln weit über 10 Geschäfte, die Kleidung mit ökologischen oder sozialen Siegeln vertreiben – bspw. Alnatura, Armed Angels, Bgreen, Dokan, Fair Änderung, Green Guerillas, Grüne Erde, Kiss the inuits, Körperkult natürlich, Lanius, Naturata, Portocolonia, Weltläden, etc. Bekannte Siegel sind dabei bspw. das Global Organic Textile Standard (GOTS) und das IVN Best, die beide signalisieren, dass faire Arbeitsbedingungen eingehalten und strenge Umweltkriterien bei der gesamten Herstellungskette erfüllt werden. Ähnliche Ansätze werden ebenso durch das Fairtrade-Logo verfolgt, wobei dabei mehr auf die Arbeitsumstände und eine gerechte Entlohnung geachtet wird als auf Umweltaspekte bei der Produktion.

Möglichkeit 5 – Weitere Tipps:
Es muss ja vor oder nach der Weihnachtsgans nicht wieder ein Burger sein: Jeden Tag Fleisch zu essen ist nachgewiesenermaßen ungesund und zudem schädlich für die Unwelt auf Grund der Treibhausgase bei der Produktion und den Nahrungsmitteln wie Mais, die als Futtermittel zur Tierzüchtung eingesetzt werden.
Anstatt materielle Geschenke lassen sich nicht nur Gutscheine kaufen, sondern auch Lose der Aktion Mensch oder Spendenscheine für Hilfsprojekte, die sich die Familienmitglieder gegenseitig schenken.
Der dritte und letzte Tipp stammt von Familie Krautwaschl aus Österreich. Die leben nämlich mittlerweile fast ohne Plastik. Wie das funktionieren kann und was Alternativen sind neben Tupperdosen schildern sie auf ihrem Blog: http://www.keinheimfuerplastik.at/familie-krautwaschl/

Wir hoffen, dass wir mittels dieses Artikels helfen konnten diese Welt ein wenig nachhaltiger und damit auch glücklicher zu machen und freuen uns natürlich ggfs. auch über Kommentare. Wenn euch weiteres einfällt, sendet uns einfach ein paar Zeilen oder schreibt uns einen Kommentar und wir ergänzen den Text, damit alle Leser davon profitieren können.